Matt- und Glanzeffekte

Strukturtyp

Der „Design-Effekt matt/glanz“ beschreibt Oberflächen, bei denen die Reflexion von Licht gezielt eingestellt wird – von hochglänzend (spekular) bis tiefmatt (diffus).

Physikalisch wird das über:

  • Mikro- und Nanorauheit (Rauheitsamplitude, -verteilung)
  • lokale Brechungsindex-Übergänge (z. B. Lacke, Beschichtungen)
  • gerichtete Strukturen (z. B. Bürstrichtung, Mikro-Rillen)

gesteuert, sodass sich ein definierter Glanzgrad, Haze (Streulicht) und eine bestimmte Bildschärfe der Reflexion ergibt.

  • Glänzend:
    • Überwiegend spekulare Reflexion (klar erkennbare Spiegelbilder)
    • Hohe „Distinctness of Image“ (DOI) (Konturen spiegelnder Objekte erscheinen scharf)
    • Wird häufig mit „Premium“, „High-Tech“, „sauber“ assoziiert, zeigt aber Fingerabdrücke und Kratzer stärker
  • Matt:
    • Überwiegend diffuse Reflexion (Licht wird in viele Richtungen gestreut).
    • Spiegelbilder sind unscharf oder gar nicht erkennbar
    • Wirkt ruhig, blendarm, unempfindlicher gegenüber Fingerabdrücken und kleinen Defekten
  • Seidenmatt / Satin:
    • Zwischenform mit gemischt spekularer und diffuser Reflexion → „weicher Glanz“
  • Funktion + Design:
    • Mattierung kann Blendung reduzieren
    • Glanz kann gezielt Aufmerksamkeit lenken oder Funktionsbereiche hervorheben

Je nach Material und Zieloptik werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt:

  • Mechanische Bearbeitung
    • Schleifen, Bürsten, Polieren (von matt gebürstet bis hochglanzpoliert)
    • Strahlen, wie z.B. Sand-, Glasperlen-, Korund- und Nassstrahlen (definierte Mattierung von Metallen, Glas, Kunststoffen)
  • Chemische und physikalische Verfahren
    • Chemische Ätzprozesse (z. B. Glas-, Metallmattierung)
    • Beizen/Strukturieren von Metalloberflächen
  • Werkzeugpolitur und -strukturierung
    • Glatte, polierte Formen (glänzende Spritzgussteile)
    • geätzte/gesandstrahlte/laserstrukturierte Formen (matte oder gemusterte Oberflächen auf Kunststoffteilen)
  • Beschichtungen / Lacke
    • Klar- oder Decklack mit definiertem Mattierungsmittelanteil (z. B. Silica-Partikel) zur Einstellung des Glanzgrades
    • Mehrschichtlackaufbau mit gezielter Oberflächenrauigkeit nach dem Trocknen/Härten
    • PVD-/CVD-Schichten mit kontrollierter Rauheit oder Brechungszahl
  • Folien / Laminate / Prägung
    • Matt- oder Glanzfolien, teils mit partieller Prägung (Spot-Glanz, Spot-Matt)
    • Prägung von Mikrostrukturen (z. B. im Roll-to-Roll-Verfahren) für definierte Reflexionseigenschaften

Der Matt- bzw. Glanz-Design-Effekt ist auf eine Vielzahl von Materialien anwendbar:

  • Metalle: Aluminium, Edelstahl, Messing etc., z. B. gebürstet, gestrahlt, poliert, galvanisiert, PVD-beschichtet
  • Kunststoffe: PC, ABS, PP, PMMA, PA, etc.
  • Glas: Klar, poliert (glänzend) oder geätzt/gestrahlt (matt/satiniertes Glas) oder beschichtet (z. B. entspiegelnde oder hochreflektierende Schichten)
  • Lacke/Beschichtungen: Auf Metall, Kunststoff, Holz, oder Glas (Glanzgrad über Rezeptur und Applikation einstellbar)
  • Holz und Verbundwerkstoffe: Oberfläche durch Schleifen, Lacke oder Beschichtungen von matt bis hochglänzend einstellbar

  • Optische und haptische Gestaltung von Sichtflächen: Innenräume, Bedienelemente, Gehäuse, Frontblenden
  • Blendungsmanagement: Mattierungen in Bereichen mit starkem Licht, um Reflexe und Spiegelungen zu reduzieren
  • Marken- und Produkterscheinungsbild: Glanz- oder Matt-„Signatur“ einer Marke (z. B. Seidenmatt im Premium-Interieur, Hochglanz bei Consumer-Electronics)
  • Funktionskennzeichnung: Abgrenzung von Bedienbereichen, Touchflächen, Griffzonen durch Glanz-/Mattkontrast

  • Automotive-Interieur: Mattierte Cockpitoberflächen zur Blendvermeidung, kombiniert mit gezielt glänzenden Zierleisten; Seidenmatte Dekorleisten, gebürstetes Metalllook-Design
  • Consumer Electronics: Hochglänzende Displays/Glasabdeckungen vs. mattierte Rahmengehäuse zur Reduktion von Fingerprints und Reflexion; soft-matte Rückseiten bei Smartphones, Laptops, Kopfhörern
  • Hausgeräte und Möbel: Edelstahlfronten in gebürsteter Optik („brushed steel“, diffus glänzend) oder in hochglänzend; mattlackierte Möbeloberflächen für geringe Reflexe und „ruhige“ Optik
  • Verpackung und Kosmetik: Kombination aus matt laminiertem Karton und Spot-UV-Glanzlack für Logos oder Designelemente
  • Architektur und Innenausbau: Satiniertes Glas (Lichtdurchlass ohne harte Spiegelungen), matte Wandpaneele, glänzende Akzentflächen

  • Automotive- und Transportation-Industrie (Interieur-/Exterieurteile, HMI-Oberflächen, Zierleisten, Bedienelemente)
  • Consumer Electronics und Hausgeräte (Gerätefronten, Gehäuse, Bedienfelder, Displays)
  • Möbel-, Küchen- und Innenausbauindustrie (Fronten, Arbeitsplatten, Paneele mit definiertem Glanzgrad)
  • Verpackungs-, Kosmetik- und Markenartikelindustrie (Premiumverpackungen, Flakons, Etiketten mit Matt-/Glanz-Kontrasten)
  • Architektur, Glas- und Fassadenbau (Gläser, Paneele, Profiloberflächen mit definierter Reflexion)
  • Oberflächen-, Lack- und Kunststofftechnik (Beschichter, Spritzgießer, Folien- und Laminate-Hersteller, die definierte Glanzgrade und Designoberflächen anbieten)

Weitere Strukturen für funktionale Oberflächen